Die Debatte um Objektivität im Journalismus

Kissengrab für Hanns J. Friedrichs

Sehr hörenswerter 1A-Podcast, bereits vom 9. Juni 2020: Wie objektiv darf/soll/muss Journalismus sein? Haltungsjournalismus oder gilt noch das Augstein-Wort: “Sagen, was ist”? Darf/muss/soll an „HaJo” Friedrichs erinnert werden, der zuletzt im Spiegel-Interview 13/1995 sagte:

“Distanz halten, sich nicht gemein machen mit einer Sache, auch nicht mit einer guten, nicht in öffentliche Betroffenheit versinken, im Umgang mit Katastrophen cool bleiben, ohne kalt zu sein. Nur so schaffst du es, daß die Zuschauer dir vertrauen, dich zu einem Familienmitglied machen, dich jeden Abend einschalten und dir zuhören.”

https://www.spiegel.de/kultur/wir-muessen-so-neutral-sein-wie-moeglich-a-1820e9d1-9cf6-4d3f-8965-aa7a59f8ec66

Gerade HaJo Friedrichs prägte damals auch meine ersten journalistischen Schritte (zunächst Rundfunk, später Presse). Multiperspektivität gehört zum Handwerkszeug eines Historikers.
Die Black-Lives-Matter-Proteste führen nun dazu, dass über den Anspruch der Objektivität im Journalismus gesprochen wird. Nicht nur in den U.S.A. Der Spiegel diskutiert z. B. ebenso: https://www.spiegel.de/kultur/wir-muessen-so-neutral-sein-wie-moeglich-a-1820e9d1-9cf6-4d3f-8965-aa7a59f8ec66 oder hier https://www.spiegel.de/kultur/new-york-times-die-zeit-der-neutralitaet-ist-vorbei-a-5ccaa4e4-eca2-4a2e-b2d7-22e6a484f8ce

Hier finden Sie die Übersetzung des Podcast-Teasers.

“Black Lives Matter

Inmitten der landesweiten Proteste, die systemische Gewalt gegen schwarze Amerikaner verurteilen, wollen wir bei 1A sehr deutlich werden.

Wir unterstützen die Forderungen der Protestierenden nach einem Recht auf Leben und die Forderung, die Polizei für die Anwendung tödlicher Gewalt gegen Schwarze zur Rechenschaft zu ziehen.

In unserem Programm geht es um Redefreiheit. Wir sind nach dem Ersten Verfassungszusatz benannt. Aber ist es parteiisch, wenn die Presse sagt: “Black Lives Matter”?

In den Nachrichtenredaktionen im ganzen Land wird darüber debattiert, welche Rolle Journalisten spielen sollten, insbesondere wenn es um die Rassenfrage in Amerika geht. Journalisten der New York Times revoltierten wegen eines Op-Ed, von dem viele sagten, es bedrohe das Leben von Schwarzen.

In derselben Woche untersagte die Pittsburgh Post-Gazette einigen ihrer schwarzen Reporter, über die Proteste zu berichten, weil sie befürchteten, sie würden “zu parteiisch” sein.

Und Axios kündigte vor kurzem an, dass seine Reporter an den Protesten teilnehmen können und dass ein Firmenfonds die Kaution für jeden verhafteten Mitarbeiter decken würde.

Einige Nachrichtenredaktionen scheinen sich schnell zu verändern. Was könnte das für den Journalismus bedeuten? Und ist es möglich, fair und transparent und trotzdem objektiv zu sein?

Wir diskutieren Objektivität im Journalismus mit Nikole Hannah-Jones, Reporterin für das New York Times Magazine, Ricardo Sandoval-Palos, öffentlicher Redakteur von PBS und 1A-Produzent Morgan Givens.”

Übersetzt von https://www.npr.org/2020/06/09/873172499/the-debate-over-objectivity-in-journalism

Der Podcast lässt sich bestimmt auch hervorragend für den Englisch-Unterricht in der gymnasialen Oberstufe nutzen. Das dürfte zu einer angeregten Diskussion mit den Schülerinnen und Schülern des Kurses führen.

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